Jung-Yeun Jang. Ein Farben-Gericht
Galerie Karin Sutter. 17.01. - 07.03. 2009
Text: Simon Baur
Ihre Malerei scheint in gewohnten Bahnen zu verlaufen, traditionell und geruhsam. Doch der Schein trügt: Jung-Yeun Jang (43) visualisiert einen Kampf der Kulturen, der es in sich hat.
Die Künstlerin, die seit Jahren in Basel lebt, ist in Korea aufgewachsen und wie die Bilder zeigen, prallen in ihnen verschiedene Konzepte aufeinander, zwei Kulturen, zwei Spannungsfelder, aber eine Malerei.
Im Schaufenster hängt ein Bild einer Frau, umgeben von einem schwülstigen grünen Rahmen. Eine eigentliche Rückseite besitzt das Bild nicht, sie zeigt ebenfalls eine Bild, ein Interieur. Der grüne Rahmen findet seine Fortsetzung an den Wänden der Galerie, wo er wie Slime die Wände entlang gleitet. Slime, war Ende der siebziger Jahre ein Spielzeug, eine grüne Gummimasse die in Büchsen eingesperrt, meist im falschen Moment den Pandora-Effekt auslöste. Diese Fortsetzung eines Rahmens in den Ausstellungsraum macht uns glauben, die Malerei umgebe uns, wir seien ein Teil von ihr.
Die einzelnen Bilder ihrerseits weisen zwei unterschiedliche Themen auf: Interieurs und Frauen. So unterschiedlich diese beiden Bereiche, so eng sind sie verknüpft, Frauen finden sich oft in Interieurs, Männer weniger und damit wird hinter unserem Rücken ein Geschlechterdiskurs verhandelt, der durch die Wirtschaftskrise bald der Vergangenheit angehören dürfte. Auch arbeitslose Banker tratschen mit Bekannten, stricken am Nachmittag auf dem Sofa oder bitten ihre Freunde zum Kaffeekränzchen. Damit ist Jung-Yeun Jangs Malerei voll im Trend. Die Interieurs sind nur angeschnitten zu sehen und in ihnen herrscht ein diffuses Licht, man weiss nicht wo sich die Lichtquelle befindet, wo Schatten sein sollte, ist Licht und umgekehrt. Die Frauendarstellungen erinnern an Werbeplakate, Frauen am Strand, in verführerischen Posen, von Hinten. Die Bilder sind aber zu wenig realistisch gemalt um aufreizend zu wirken. Dafür sind sie zu malerisch, zu technisch, denn Jung-Yeun Jang liebt den teils spartanischen, teils opulenten Umgang mit Farbe. Sie experimentiert in ihren Bildern mit Malstilen, so als seien Farben Süssigkeiten, denen man nicht widerstehen kann. Präsentation und Imagination sind denn auch Begriffe auf die auch weitere Arbeiten verweisen. Beispielsweise wenn sie ihre Motive auf Rückseiten von metallenen Platten malt, auf deren Vorderseite gewöhnlich Käsesorten, Rohschinken oder Lachs ausgelegt werden. Aufgehängt funktionieren sie wie blinde Spiegel, die dennoch verraten, wer die Schönste im ganzen Land ist. Diese Malerei ist ein Fest für die Sinne, sie schmilzt den Winter weg und ist krisenresistent.
© Basellandschaftliche Zeitung / MLZ; 22.01.2009; Seite 30
Jung-Yeun Jang in der Galerie Karin Sutter
Die in Basel lebende Jung-Yeun Jang (*1966) zeigt in der St. Alban-Vorstadt 10 in Basel neue Ölgemälde. Ein Themenschwerpunkt liegt bei der realistischen Darstellung jugendlich-glamouröser Frauengestalten, deren Vorlagen sie Zeitschriften entnimmt.
Für die Ausstellung hat die Künstlerin, die in Seoul und Paris studierte, an Stelle der Bilder installativ die Wände der Galerie mit organisch fliessenden Formen aus Polyeruthan gerahmt. Die Darstellung vergoldeter barocker Bilderrahmen (2007) weckte Jangs Interesse am Interieur. In leuchtenden Farben und mit entschiedenen, breiten Pinselstrichen zeigt sie prunkvolle Innenräume voll schwerer Vorhänge und üppiger Teppiche («Elysee», 2008).
Die Auseinandersetzung mit dem Rahmenmotiv weiterführend malt sie eine vierteilige kleinformatige Bilderfolge auf die Unterseite von ovalen Metalltabletts (deren Rand zum Rahmen wird). Thema ist die weibliche Figur (vom noch kindlichen Mädchen über einen üppigen Halbakt bis zu einer Rückenansicht). Das als viertes Bild der Reihe hinzugefügte Obst-Stilleben lenkt den Blick pointiert auf den prallen Glanz der Oberfläche › und die Oberflächlichkeit des von der medialen Bilderflut gelenkten Blicks.
(Bis 7. März) Ingeborg Ströle